Den Erwerb des Rechtsanwaltstitels regelt das Gesetz über die Tätigkeit europäischer Rechtsanwälte in Deutschland das (EuRAG) vom 9. März 2000 (BGBl. I S. 182), zuletzt geändert durch Gesetz vom 18.05.2017.

Anwälte und Anwältinnen aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU), dem EWR und der Schweiz können den Titel "Rechtsanwalt" mit Ablegung der Eignungsprüfung nach § 16 EuRAG erwerben. Sie erlangen alle Rechte eines deutschen Anwalts und können den Titel in Ihrem Heimatland und in Deutschland führen. Voraussetzung ist, dass die Bewerberinnen und Bewerber eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, die zum unmmittelbaren Zugang zum Beruf einer europäischen Rechtsanwältin, bzw. eines europäischen Rechtsanwalt berechtigt. Die einschlägigen Berufsbezeichnungen für die einzelnen Mitgliedsstaaten können der Anlage zu § 1 EuRAG entnommen werden.

Die Anlage zu § 1 EuRAG finden Sie

--hier--

Der Antrag ist an ein für die zweite juristische Staatsprüfung zuständiges Prüfungsamt zu richten ( §18 Abs.1 EuRAG ) wobei mehrere Länder ein gemeinsames Prüfungsamt bilden können. Zuständig sind die Prüfungsämter in Düsseldorf, Berlin und Stuttgart.

Auf die Staatsangehörigkeit der antragstellenden Person kommt es nach der jetzt geltenden gesetzlichen Regelung nicht mehr an. Vielmehr steht die Eignungsprüfung allen Personen offen, deren Ausbildung die genannten Voraussetzungen erfüllt.

Das Prüfungsamt erlegt der anstragsstellenden Person die Ablegung einer Eignungsprüfung auf, wenn sich ihre Ausbildung auf Fächer bezog, die sich wesentlich von denen unterscheiden, die für die Ausübung des Berufs des Rechtsanwalts in Deutschland erforderlich sind, und diese Unterschiede nich anderweitig, insbesondere durch Berufspraxis oder Weiterbildungsmaßnahmen, ausgeglichen wurden. (§ 16a Abs. 3 EuRAG)

Die Auferlegung einer Eignungsprüfung ist nach Auffassung des Gesetzgebers der Regelfall weil die vielfältigen Kenntnisse und Fähigkeiten im deutschen Recht, die für die Tätigkeit als Rechtsanwalt in Deutschland erforedlich sind, in der Regel in einer ausländischen Ausbildung nicht vermittelt werden. Die Eignungsprüfung besteht aus einem schriftlichen und mündlichen Teil. Zur mündlichen Prüfung wird zugelassen, wer zumindest eine der beiden Klausuren bestanden hat. Die Prüfung kann zweimal wiederholt werden.

Dem Antrag sind folgende Unterlagen beizufügen (§16 Abs.3 EuRAG):

1. ein tabellarischer Lebenslauf,

2. ein Nachweis, der die Berechtigung zum unmittelbaren Zugang zum Beruf des europäischen Rechtsanwalts bescheinigt,

3. ein Nachweis darüber, dass mehr als die Hälfte der Mindestausbildungszeit in einem der in § 16 Abs. 2 Nr. 1 EuRAG genannten Staaten durchgeführt wurde, oder in den Fällen des § 16 Abs. 2 eine Bescheinigung über die mindestens dreijährige Berufsausübung,

4. eine Erklärung darüber, ob und gegebenenfalls bei welchen Prüfungsämtern schon einmal ein Antrag nach § 16 Abs. 1 EuRAG gestellt oder eine Eignungsprüfung abgelegt wurde,

5. für den Fall, dass geltend gemacht wird, dass Unterschiede nach § 16a Abs. 3 S. 1 Nr. 1 nach § 16a Abs. 3 S. 1 Nr. 2 EuRAG vollständig ausgeglichen wurden, geeignete Nachweise hierüber.

Die Unterlagen sind im Original oder als Kopie in deutscher Sprache oder beglaubigter Übersetzung einzureichen.

Bei Antragsstellung in Düsseldorf kann bei Dokumenten in englischer, französischer, spanischer oder italienischer Sprache zunächst auf die Vorlage einer Übersetzung verzichtet werden. Das Prüfungsamt behält sich auch in diesen Fällen vor, übersetzte Dokumente nachzufordern. Der Nachweis der Staatsangehörigkeit kann durch Vorlage einer Kopie des Personalausweises oder Reisepasses erfolgen.

Zur Beschleunigung des Prüfungsverfahrens ist es zweckmäßig, dass im Ausland wohnende Bewerber eine zustellungsbevollmächtigte Person mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland benennen, an die förmliche Zustellungen erfolgen können.

Zweckmäßig ist des Weiteren, dem Prüfungsamt bereits mit dem Antrag je ein Wahlfach aus den beiden Wahlfachgruppen und das gewählte Fach für die zweite Aufsichtsarbeit mitzuteilen (§ 3 Abs. 3 der Verordnung über die Eignungsprüfung für die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft [RAZEignPrV]) .

Prüfungsleistungen

Die Eignungsprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Als schriftliche Prüfungsleistungen sind zwei Aufsichtsarbeiten anzufertigen. Sie haben Aufgaben aus der rechtsanwaltlichen Praxis zum Gegenstand (§ 7 Abs. 1 RAZEignPrV). Die Bearbeitungszeit beträgt pro Arbeit fünf Stunden.

Die mündliche Prüfung besteht aus einem Kurzvortrag und einem Prüfungsgespräch. Die Gegenstände des Kurzvortrages und des Prüfungsgespräches sind der rechtsanwaltlichen Praxis entnommen (§ 7 Abs. 2 RAZEignPrV). Für den Kurzvortrag besteht eine Vorbereitungszeit von zwei Stunden. Die Dauer des Kurzvortrages soll fünfzehn Minuten nicht übersteigen.

Das Prüfungsgespräch beträgt für jeden Prüfungsteilnehmer etwa fünfundvierzig Minuten.

Prüfungsfächer sind das Pflichtfach Zivilrecht, je ein Wahlfach aus den beiden in § 20 EuRAG genannten Wahlfachgruppen sowie das Berufsrecht der Rechtsanwälte. Die Prüfungsgegenstände für die Wahlfächer ergeben sich aus § 6 RAZEignPrV. (Anmerkung der Redaktion: Wir empfehlen das Wahlfach Handelsrecht für die schriftliche Prüfung und das Wahlfach Strafrecht für die mündliche Prüfung.

Die schriftliche Prüfung erstreckt sich auf das Zivilrecht sowie eines der beiden Wahlfächer.

Die mündliche Prüfung erstreckt sich auf das andere von der Bewerberin bzw. dem Bewerber festgelegte Wahlfach, auf das anwaltliche Berufsrecht sowie gegebenenfalls auf das Prüfungsgebiet, in dem die schriftliche Prüfungsleistung den Anforderungen nicht genügt hat.

(Anm. der Redaktion: In der Vergangenheit wurde dem Antragssteller in Einzelfällen eine der beiden schriftlichen Prüfungen - i.d.R. im Handelsrecht - erlassen, wenn er den Titel "Master Deutsches Recht (LL.M.)" nachweisen konnte, z.B. der Humboldt-Universität Berlin oder den erfolgreichen Abschluss des ersten juristischen Staatsexamens.)

Die Prüfung kann zweimal wiederholt werden.

Von der Verpflichtung, in Deutschland eine Kanzlei zu errichten, wird der Bewerber auf Antrag befreit (§ 29a BRAO).

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